"Das
Album des Herrn K."
Was
wäre gewesen, wenn der Freund Max Brod nicht damit zufrieden gewesen wäre,
nur die kleinen blauen Hefte vor den Flammen zu retten? Was wäre gewesen,
wenn er, auch gegen das Verbot, ein kleines Album mit 16 Fotografien behalten
hätte? Es wäre das Album gewesen, das hier gezeigt wird. Ein unwahrscheinliches
Fotoalbum, in dem Franz Kafka (Herr K.) an Orten erscheint und mit Menschen zu
sehen ist, die er hätte treffen können (die er aber niemals hätte
treffen müssen). Eine Art geträumtes Leben also. Eine Hommage auf jeden
Fall. Ich gebe zu, dass etwas Phantasie sich in einige der Bilder eingeschlichen
hat, aber man weiß auch, dass viele Texte von Kafka ebenso grotesk sind
und dass der Autor laut lachte, als er sie seinen Freunden vortrug. Er hatte zu
viel Humor, um Späßen abgeneigt zu sein. Ich kann meine Vorbilder
nicht verleugnen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit kann man tatsächlich, mehr
oder weniger versteckt, Figuren wie Karl Rossmann oder Gregor Samsa finden, oder
die geliebte Schwester Ottla und die Freundin Milena, Prager Orte, die Kafka sehr
gut kannte, wie den Hradschin, die spitzen Dächer des Großen Platzes,
die Gasse der Alchimisten und, auch wenn das Licht ein wenig heller ist, ein Großraumbüro
wie das Versicherungsbüro für Arbeitsunfälle, wo Dr. Kafka arbeitete. Warum
sollte dieser große junge Mann (1,82m!), der immer offen war für die
neuesten Entwicklungen seiner Zeit, der Freud las, der die ersten Flugversuche
beobachtete, der den "Kinematographen" besuchte (er hätte bestimmt
Jean Vigo gemocht), nicht Kandinsky getroffen haben und Jazz mögen? Manchmal
ist die Atmosphäre etwas düsterer. Franz Kafka, dessen Schwestern von
den Nazis verjagt wurden, wäre er gerne dem französischen Polizisten
begegnet, der auf die geschnappten Juden aufpasste, die auf ihre Abfahrt, man
weiß ja wohin, warteten? Meine Zuneigung zu "Herrn K." ist
nicht neu. Aber auch nicht außergewöhnlich. Ein Bild verdeutlicht das.
Dort ist ein neunjähriges Kind zu sehen, das sich in den "Vater"
ehrenwerter Herren, die da heißen: Borges, Breton, Gracq und Perec, verwandelt
hat. Bei ihnen findet man den "Geist der Familie" wieder und vor allen
Dingen die gleiche Schönheit des Ausdrucks wie beim Mann aus Prag. Er war
kein Kind mehr als er starb, aber dennoch so jung. Die Beleuchtung, die Kompositionen,
die Stimmungen und der Sepia-Farbton wurden ausgewählt, um, so gut es geht,
das Klima des stillen Alptraums und des gedämpften Horrors, das seine Texte
umgibt, abzubilden. Gérard Bertrand
|